Die Ausbreitung des Coronavirus stellt die ganze Welt vor große Herausforderung.

Die Digitalisierung der Medizin bietet auch in Zeiten der Corona-Pandemie enormes Potenzial und möchte ihren Beitrag zur Bekämpfung des Corona-Virus leisten. Digitale Werkzeuge können im Kampf gegen Covid-19 gezielt eingesetzt werden. Die Idee dahinter: Krankenhäuser, Ärzte sowie Patienten zu entlasten und die Ausbreitung des Virus in den Griff zu bekommen sowie geeignete Maßnahmen gegen die Pandemie zu ergreifen. Hierzu gibt es zahlreiche Beispiele. Im Folgenden stellen wir Ihnen einige davon vor:

 

Die CovApp

Die von der Charité Berlin und Data4Life entwickelte CovApp stellt für den Nutzer eine schnelle Entscheidungshilfe dar, ob ein Test auf Coronavirus notwendig ist. Anhand eines online Fragebogens können Nutzer ihre Symptome einschätzen und daraus resultierend sich für oder gegen einen Arztbesuch oder Coronavirus-Test entscheiden. Die Fragen beziehen sich hauptsächlich auf Symptome, Vorerkrankungen, Kontakt zu Verdachtsfällen sowie auf Reisen in Risikogebiete.

Die App erbringt jedoch keine diagnostische Leistung, sondern gibt lediglich individuelle Handlungsempfehlungen. Daher kann sie niemals als Ersatz für einen Arztbesuch in Betracht gezogen werden.

 

Besteht dem Ergebnis zufolge ein Corona-Verdacht, so ist ein Arztbesuch notwendig bzw. muss eine Corona-Anlaufstelle aufgesucht werden. Der Nutzer bekommt seine medizinisch relevanten Daten am Ende zusammengefasst, die er dann bei seinem Arztbesuch vorzeigen kann. Dies erfolgt in Form eines QR-Codes, der die Ergebnisse in das Patientenmanagementsystem übermittelt und somit die Bearbeitung vor Ort schneller und effizienter gestalten lässt. 

 

Die CovApp soll dazu dienen Patientenströme in den stark ausgelasteten Anlaufstellen besser zu optimieren und die Nutzung der Kapazitäten in Krankenhäusern und Untersuchungsstellen zu verbessern. Wirklich kritische Patienten mit Verdacht auf das Coronavirus sollten getestet werden. Ansonsten käme es zur unnötigen Belastung des Gesundheitssystems, sowohl in arbeitstechnischer als auch in finanzieller Hinsicht.

 

COVID-19-Symptom-Tracker für die Forschung

Die App „Covid-19-Symptom-Tracker“, welche an der Universitätsklinik Freiburg entwickelt wurde, stellt ein Symptom-Tagebuch dar und soll dazu beitragen das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) und dessen Ausbreitung besser zu verstehen.

Über die Symptomverläufe und Eigenschaften des Covid-19 ist bisher noch nicht viel bekannt, daher soll die App mithilfe täglicher Fragebögen, die zur Dokumentation des Gesundheitszustandes der Nutzer dienen, eine bessere Diagnose ermöglichen.

Da die Eindämmung des Covid-19-Virus u. a. davon abhängt, Infizierte schnell zu erkennen und sie rechtzeitig zu isolieren, soll die tägliche Beantwortung der online Fragebögen dazu verhelfen, neue Erkenntnisse über den Krankheitsverlauf von Covid-19 zu gewinnen.

Auch hier gilt: Die App ist keine Diagnose-, sondern eine Forschungs-App.

Zunächst verlangt die App einen Basisfragebogen auszufüllen, der maximal fünf Minuten dauert und grundsätzlich die Vorerkrankungen erfasst. Danach werden täglich anhand von Fragebögen die aktuellen Symptome erfragt, was jeweils nur drei Minuten in Anspruch nimmt. Die anonym erhobenen Daten werden ausschließlich zu wissenschaftlichen Zwecken erhoben und sind umso zuverlässiger und valider, je mehr Menschen mitmachen.

 

Die Corona-Warn-App

Die Corona-Warn-App, die seit dem 16. Juni 2020 von der Bundesregierung gratis in den App-Stores zum Download bereitsteht, wurde von der Telekom und SAP gemeinsam entwickelt und soll zur effektiven Bekämpfung der Corona-Pandemie beitragen. Ziel dieser App ist es, Infektionsketten frühzeitig zu erkennen und zu durchbrechen und somit die Weiterverbreitung von Covid-19 einzudämmen.

Darüber hinaus soll sie den Prozess der Kontaktnachverfolgung beschleunigen und die Arbeit der Gesundheitsämter erleichtern.

Die App ist in der Lage, via Bluetooth-Technologie Kontaktdaten von anderen Smartphone-Besitzern, die sich in einem Abstand von weniger als zwei Metern über einen längeren Zeitraum befinden, zu registrieren.

Infiziert sich ein Nutzer mit dem Coronavirus, kann er sein Testergebnis freiwillig in der App teilen und alle Personen, mit denen er in Kontakt war, automatisch informieren.

Hierbei ist anzumerken, dass die Mitteilung des Testergebnisses nicht verpflichtend ist, sondern dem Nutzer selbst überlassen bleibt.

 

Eine Benachrichtigung deutet jedoch nicht automatisch auf eine Ansteckung hin. Die Nachricht dient lediglich als Warnung, dass die Person Kontakt mit einer Infizierten hatte und ein Ansteckungsrisiko besteht. Daraus folgend kann er sich entweder in Quarantäne begeben oder testen lassen. Wo sich die Personen begegnet sind und wer die Beteiligten sind, bleibt weiterhin unbekannt.

Die Nutzung und das Herunterladen der Anwendung sind sicher, anonym und freiwillig, auch die Aktivierung der Benachrichtigungsfunktion eines positiven Testergebnisses bleibt weiterhin freiwillig. Allerdings kann die Kontaktnachverfolgung via App nur dann ihren Zweck erfüllen, wenn ein Großteil der Smartphone-Besitzer bereit ist, die App zu installieren.

Der erfolgreiche Start (innerhalb von 48 Stunden ca. 8 Mio. Nutzer) verdeutlicht auch die relativ hohe Akzeptanz in der Bevölkerung. Laut Bundesgesundheitsministerium ist die Nachfrage nach der deutschen Corona-Warn-App höher als die Corona-Apps anderer EU-Staaten, da sie bisher 13,3 Millionen Mal heruntergeladen wurde – Tendenz weiter steigend!

 

Telemedizin

Gerade in diesen herausfordernden Zeiten der Covid-19 Pandemie, spielen telemedizinische Anwendungen für die Gesundheitsversorgung eine bedeutende Rolle.

Während die Zahl der Facharzt-Besuche bei Arzt- und Krankenhausbesuchen deutlich zurückgeht, steigt die Zahl der Online-Sprechstunden und Behandlungen in der Corona-Krise so stark an, dass sogar von einem Boom der Telemedizin die Rede ist. Viele Patienten scheuen den Gang in die Arztpraxis oder Klinik aus Angst vor einer Ansteckung mit Covid-19. Hierbei bietet der Einsatz von Videosprechstunden enormes Potenzial, um die Ausbreitung des Covid-19 einzudämmen und Andere, besonders chronisch Kranke und das Praxispersonal vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus zu schützen.

Nicht nur Videosprechstunden vereinfachen den Praxisalltag, sondern auch Softwarelösungen wie z. B. für das Termin- und Patientenmanagement. Da sich die Terminplanung mittels der Online-Terminvergabe einfacher und effizienter gestalten lässt, können Patienten rund um die Uhr online Termine buchen. Dadurch verringert sich der administrative und organisatorische Aufwand der telefonischen Vergabe, was zur Entlastung des Praxispersonals und der Verbesserung des Organisationsablaufs führt. Patientenströme können besser gesteuert und volle Wartezimmer und damit einhergehend lange Wartereien vermieden werden.

Weitere telemedizinische Anwendungen bspw. Kommunikationsportale, die eine einfache Arzt-Patienten-Kommunikation ermöglichen oder E-Learning-Plattformen für medizinische Aus- und Fortbildung, dienen ebenfalls der effektiven Bewältigung der Pandemie.

Auch das Telemonitoring (Fernbehandlung) erweist sich als effizientes Instrument zur Bekämpfung des Coronavirus. Durch dessen Einsatz können Ärzte und medizinisches Personal Risikopatienten, die sich in Quarantäne befinden, regelmäßig aus der Ferne überwachen und im Notfall schnell reagieren.

Die steigende Nachfrage nach Telemedizin aufgrund des erhöhten Ansteckungsrisikos, verdeutlicht noch einmal die Wichtigkeit der Digitalisierung des Gesundheitswesens.

 

Quellen:

https://www.lungenaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/wer-sollte-sich-auf-corona-testen-lassen-und-wer-nicht/

https://www.data4life.care/de/corona/covapp/

https://www.zm-online.de/news/gesellschaft/covid-19-entscheidungshilfe-fuer-den-test/

https://covapp.charite.de

https://apps.apple.com/de/app/covid-19-symptom-tracker/id1505951844 

https://e-health-com.de/details-news/drei-minuten-fuer-die-corona-forschung/

https://www.uniklinik-freiburg.de/presse/pressemitteilungen/detailansicht/2018-covid-19-symptom-tracker-app-hilft-forschung.html

https://medinfoweb.de/detail.html/uni-freiburg-covid-19-symptom-tracker-app-hilft-forschung.68207

https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/suedbaden/symptom-tracking-app-uniklinik-freiburg-100.html

https://www.t-online.de/digital/id_87713998/covid-19-kontaktnachverfolgung-was-tracing-apps-koennen-und-was-nicht.html

https://www.br.de/nachrichten/netzwelt/corona-warn-app-kommt-dienstag-was-sie-wissen-muessen,S1gcwAT

https://www.sozialinfo.ch/fachwissen/dossiers/corona-tracing-app-eine-technische-loesung-der-corona-krise.html

https://www.zdf.de/nachrichten/politik/corona-app-millionen-downloads-100.html

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1125951/umfrage/downloads-der-corona-warn-app/

https://www.tagesschau.de/inland/faq-corona-tracing-app-103.html 

https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/corona-warn-app 

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/111942/Coronakrise-Hilfreiche-Tools-fuer-den-medizinischen-Alltag

https://www.arzt-wirtschaft.de/wie-koennen-digitale-werkzeuge-die-praxisorganisation-unterstuetzen/

https://www.t-online.de/gesundheit/krankheiten-symptome/id_87745526/coronavirus-welche-arztbesuche-sie-nicht-aufschieben-sollten.html

https://www.zwp-online.info/zwpnews/dental-news/branchenmeldungen/smartphone-app-gegen-ueberfuelltes-wartezimmer 

https://www.healthrelations.de/telemedizin-videosprechstunde-corona/

https://www.healthcare-computing.de/wunsch-nach-online-sprechstunden-verdoppelt-sich-durch-coronavirus-a-919714/

https://www.bitkom.org/Themen/Corona/Digital-Health

https://www.deutschlandfunk.de/auswertung-von-smartphone-daten-mit-digitalen-mitteln-gegen.684.de.html?dram:article_id=473046